Die Bühne – ein durchaus ehrbarer Beruf

Zu früheren Zeiten galt der Beruf des Schaustellers als nicht ehrbar. Im Mittelalter gehörten Schausteller zum „fahrenden Volk“ und zogen mit ihren Jahrmärkten oder Tingeltangel von Stadt zu Stadt. Obwohl es Theaterbauten bereits in der Antike gab, etablierte sich das Theater in Europa erst mit den Passionsspielen oder sogenannten Mirakelspielen. Das waren Stücke mit Inhalten zu den Heiligen, vermischt mit bekannten Geschichten aus der Bibel. In der Mitte des 16. Jahrhunderts tauchten dann die ersten Berufsschauspieler auf und die ersten großen Theaterbauten wurden in Angriff genommen, von denen noch heute viele in Betrieb sind.

Am Ansehen der Darsteller, Sänger, Tänzer und Schauspieler änderte sich aber zunächst einmal nicht viel. In vielen Familien wird man auch heute noch auf wenig Begeisterung stoßen, wenn man verkündet, „an das Theater“ gehen zu wollen. Dies obwohl ein Theater heutzutage durchaus ein Betrieb mit sehr unterschiedlichen und interessanten Berufen ist.

Neben den Tätigkeiten auf der Bühne, sei es nun als Tänzer, Musiker oder Schauspieler, gibt es endlose Berufe hinter den Kulissen. Angefangen von den Büros der Verwaltung bis hin zu den Werkstätten der Bühnenbauer und Kostümschneider. Viele dieser Berufe werden auch nicht direkt am Theater ausgebildet. Es gibt Beleuchter, Schneider, Tischler, Kosmetiker, Friseure, Kaufleute, Sekretärinnen und andere Berufe, die ihren Beruf zunächst einmal irgendwo lernen und dann durch eine Fügung des Schicksals letztendlich beim Theater landen. Warum also sollten diese Berufe nicht ehrbar sein?

Bei den darstellenden Berufen sieht das schon anders aus. Keine Primaballerina wird zufällig auf der Bühne landen. Ganz im Gegenteil. Insbesondere klassische Tänzer stellen die Weichen für diesen Beruf schon in sehr jungen Jahren. Während andere Kinder an den Baggersee fahren oder sich die Freizeit mit mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten vertreiben, schuften die kleinen Tänzerinnen und Tänzer schon emsig an ihrer Karriere. Nicht selten ist eine Ballerina schon mit 18 mit ihrer Ausbildung fertig, einem Alter indem die meisten anderen erst mit ihrer Berufsausbildung beginnen.

Mit Mitte 20 bis 30 wird eine Tänzerin dann irgendwann auf dem Höhepunkt ihrer Karriere sein. Viele klassische Tänzer und Tänzerinnen wechseln dann vor dem vierzigsten Lebensjahr ihren Beruf, da die große körperliche Belastung ihren Tribut zollt. Von den vielen Tänzern und Tänzerinnen werden nur wenige zu wirklichem Ruhm kommen. Trotz harter Arbeit und Jahre von Schmerz und Entbehrung landen die meisten im sogenannten „Corps de Ballet“. Die Stars sind dann die „ersten Tänzer“, bzw. Primaballerina.

Musiker und Schauspielern ist ein etwas anderes Schicksal beschieden. Hier gilt das Alter nicht so sehr als Grund den Beruf zu wechseln. Viele der guten Schauspieler werden erst ab 40 erst richtig wahrgenommen. Denken Sie an ihre Lieblingsschauspieler oder Schauspielerinnen. Vermutlich werden hier Namen von Leuten dabei sein, die schon etwas älter sind. Schauspieler, denen in Filmen große Karrieren bestimmt sind, haben ihr Handwerk nicht nur an den Schauspielschulen gelernt, sondern oftmals auch in Theatern.

Zwar gibt es Ausnahmen – im Kreise von Schauspielern werden Sie aber immer wieder hören, dass erst das Theater eine Schauspielausbildung abschließt, bzw. abrundet. Im Theater gibt es keine Wiederholung oder „Klappe“. Da muss die Rolle, der Text und das Stück sitzen, wenn man sich nicht beim Publikum blamieren möchte. Wer selbst einmal eine Rolle gespielt hat, wird wissen, dass auch dieser Beruf gelernt sein will. Es geht um Sprache, Ausdruck und Ausstrahlung. Gemessen daran, wie oft ein jeder von uns Theater oder Filme anschaut und dabei gutes Schauspiel erwartet und für selbstverständlich hält, wäre die Behauptung, der Beruf sei nicht ehrbar, schlicht respektlos.

Leider geht es der Branche gar nicht so gut, wie es sein sollte. Obwohl wir an den Wochenenden gemütlich auf dem Sofa liegen, um einen Film zu schauen oder im Theater sitzen und gutes Schauspiel und eine spannende Unterhaltung erwarten, können in Deutschland etwa nur 7 Prozent der Schauspieler von ihrem Beruf leben.

Bei Tänzern ist diese Prozentzahl noch geringer. Ohne zu Übertreiben gibt es unter den Schauspielern Leute, die an Elite-Universitäten studiert haben und dann für einen Mindestlohn arbeiten. Gerechtigkeit sähe da anders aus. Natürlich verdient ein Handwerker sein Geld, wenn er unsere Waschmaschine repariert. Natürlich wird dem Bankdirektor ein fettes Gehalt gezahlt, damit er unsere Sparguthaben verzockt. Warum aber werden Schauspielern keine vernünftigen Gehälter gezahlt, obwohl sie uns so viele schöne Stunden der Unterhaltung schenken?

Diese Frage werden wir an dieser Stelle zwar nicht klären können – wir möchten sie unseren Lesern aber, an dieser Stelle, zum Nachdenken an die Hand geben.

Theater ist Kultur… und Kultur gehört zum Wohlbefinden einer Gesellschaft.

Dabei ist es dann nicht wichtig, ob es sich bei der Kultur um Philharmonie, Varieté, Oper, Ballett, Tanztheater, Schauspiel oder einen verdammt guten Spielfilm handelt. All dies entspringt demselben Geiste. Sich einem kreativen Beruf zu widmen, um anderen Menschen Freude zu schenken. Ehrbarer kann ein Beruf doch wirklich nicht sein, oder?